Welche Schraube stellt was ein?
Eine Schranktür einstellen heißt: am Scharnier drehen, nicht an der Tür. Ein Topfscharnier einstellen kannst du in drei Richtungen, und für jede Richtung gibt es eine eigene Schraube. Wenn du weißt, welche Schraube was bewirkt, ist jede Tür in wenigen Minuten fertig.
Die Kurzfassung: Die vordere Schraube am Scharnierarm schiebt die Tür nach links oder rechts, die hintere Schraube zieht sie nach vorn oder drückt sie nach hinten, und die Schrauben, mit denen die Montageplatte an der Schrankwand sitzt, bestimmen die Höhe.
| Richtung | Welche Schraube | Was du damit behebst | Verstellbereich |
|---|---|---|---|
| Seitlich (links oder rechts) | Vordere Schraube am Scharnierarm, am nächsten zur Tür | Fuge zwischen zwei Türen zu breit oder zu schmal, Tür stößt an die Nachbartür | Etwa 2 mm zu jeder Seite |
| Tiefe (vor oder zurück) | Hintere Schraube, meist in einem Langloch | Tür steht ab, liegt nicht an oder klemmt an der Schrankwand | Etwa 0 bis 3 mm |
| Höhe (hoch oder runter) | Die zwei Schrauben der Montageplatte im Schrank | Tür hängt schief, oben breitere Fuge als unten | Etwa 2 mm nach oben und unten |
| Schließgeschwindigkeit | Kleiner Schalter am Soft-Close-Dämpfer | Tür schlägt zu hart zu oder bleibt auf halbem Weg stehen | Zwei oder drei Stufen |
So findest du die Schrauben an deinem Scharnier
Öffne die Tür und schau dir den Arm an, der vom runden Topf zur Schrankwand führt. Auf diesem Arm siehst du zwei Kreuzschlitzschrauben hintereinander. Die vordere sitzt direkt am Topf, die hintere an der Montageplatte. Sind an deinem Scharnier drei Schrauben sichtbar, ist die dritte meist die Klemmschraube, die den Arm auf der Platte festhält. Mit ihr stellst du nichts ein, sie dient dazu, die Tür abzunehmen.
Bei einem Clip-Scharnier fehlt diese Klemmschraube, und du löst den Arm mit einer kleinen Lasche. Das erspart Gefummel, denn du kannst die Tür abnehmen, ohne auch nur irgendetwas an der Einstellung zu verändern.
Schranktür einstellen in vier Schritten
Nimm einen Kreuzschlitzschraubendreher PH2 und arbeite in dieser Reihenfolge. Gehst du durcheinander vor, drehst du ewig weiter.
- Zuerst die Höhe einstellen. Löse die Schrauben der Montageplatte eine halbe Umdrehung, schieb die Tür nach oben oder unten und zieh sie wieder fest. Mach das an allen Scharnieren dieser Tür gleichzeitig, sonst verziehst du die Tür.
- Dann die Seite einstellen. Dreh an der vorderen Schraube und beobachte die Fuge zur Nachbartür. Eine Vierteldrehung reicht oft schon. Im Uhrzeigersinn gedreht wandert die Tür meistens zur Scharnierseite hin.
- Danach die Tiefe einstellen. Dreh an der hinteren Schraube, bis die Tür überall gleich weit vom Korpus absteht. Schließ sie zwischendurch ein paar Mal, um zu fühlen, ob sie irgendwo anstößt.
- Aus der Entfernung prüfen. Geh zwei Meter zurück und betrachte die ganze Schrankfront statt nur die eine Tür. Eine Tür, die für sich allein gerade hängt, kann zwischen ihren Nachbarn trotzdem schief wirken.
Stößt die Tür nach dem Einstellen immer noch an, prüf, ob das Scharnier selbst verschlissen ist. Spiel im Arm bekommst du mit keiner Schraube heraus, dann hilft nur Austauschen.
Schranktür einstellen mit 2 Schrauben
Viele Küchenschränke und ältere Möbel haben Scharniere mit nur zwei sichtbaren Schrauben am Arm. Das ist keine abgespeckte Version, sondern ganz einfach das Standardmodell. Damit stellst du seitlich und in der Tiefe ein. Die Höhe regelst du bei diesem Typ immer über die Montageplatte.
Siehst du nur eine Schraube am Arm, hast du ein Scharnier mit Exzenterverstellung. Diese eine Schraube ist ein Nocken, der die Tür seitlich verschiebt. Die Tiefe stellst du dann über die Montageplatte ein.
Welches Topfscharnier steckt in deinem Schrank?
Bevor du etwas bestellst, lohnt es sich zu wissen, was verbaut ist. Miss die runde Bohrung in der Tür und achte darauf, wie die Tür zur Schrankwand steht. Das sind die Maße und Typen, die wir führen.
| Topfbohrung | Typ | Öffnungswinkel | Befestigung | Wo du es findest |
|---|---|---|---|---|
| Ø 35 mm | Aufliegend (Tür liegt vor der Schrankwand) | 110 Grad | Zum Anschrauben oder Clip | Die meisten Küchenschränke und freistehenden Schränke |
| Ø 35 mm | Halbaufliegend (zwei Türen teilen sich eine Mittelwand) | 110 Grad | Zum Anschrauben oder Clip | Doppelschränke mit Mittelwand |
| Ø 35 mm | Innenliegend (Tür liegt im Korpus) | 110 Grad | Zum Anschrauben oder Clip | Schränke mit sichtbarem Rahmen, Bücherschränke |
| Ø 35 mm | Aufliegend, Weitwinkel | 170 Grad | Zum Anschrauben | Schränke mit Auszugskörben, Eckschränke |
| Ø 35 mm | Aufliegend, halbaufliegend oder innenliegend | 95 Grad | Zum Anschrauben | Dulimex, flache Schränke und Nachttische |
| Ø 26 mm | Aufliegend, kompakt | 95 Grad | Zum Anschrauben | Dünne Türen und kleine Möbel |
Der Abstand von der Mitte der Topfbohrung zur Türkante beträgt bei einem 35-mm-Scharnier meist 22,5 mm. Montageplatten gibt es in den Höhen 0, 3 und 6 mm, und diese Höhe bestimmt, wie weit die Tür vom Korpus absteht. Tauschst du ein Scharnier aus, halte das alte bei der Auswahl der Topfscharniere bereit und vergleiche Topftiefe und Plattenhöhe, nicht nur den Durchmesser.
Was tun bei welchem Problem?
Fast jedes Problem lässt sich auf eine dieser fünf Situationen zurückführen.
- Die Fuge zwischen zwei Türen läuft keilförmig zu. Unten 1 mm und oben 5 mm bedeutet einen Höhenunterschied. Fang bei der Montageplatte des unteren Scharniers an.
- Die Tür des Küchenschranks stößt an die Nachbartür. Stell sie mit der vorderen Schraube seitlich ein, jeweils eine Vierteldrehung.
- Die Tür steht ab und schließt nur, wenn du sie andrückst. Das ist die Tiefe. Dreh die hintere Schraube an, bis die Tür flach am Schrank anliegt.
- Die Tür geht langsam wieder auf. Das Scharnier hat keine Federkraft mehr, oder es ist ein Scharnier ohne Feder. Ein Kugelschnäpper oder ein neues Scharnier löst das Problem.
- Eine schwere Tür aus Massivholz sackt nach ein paar Wochen wieder ab. Zwei Scharniere sind dann zu wenig. Setz ein drittes dazu, mittig zwischen die beiden vorhandenen.
Geht es um eine nach oben öffnende Klappe und nicht um eine Drehtür, liegt die Ursache meist nicht am Scharnier, sondern an der Kraft der Gasdruckfeder. Das erfordert einen anderen Ansatz, den du in unserem Blogbeitrag über die richtige Kraft für eine Schrankklappe findest.
Aus unserer Praxis
Ein Kunde zeigte uns ein Foto seiner Küche aus dem Jahr 2011. Vierzehn Türen, und bei vier davon lief die Fuge sichtbar schief: oben 5 mm und unten 1 mm. Er hatte bereits zwei Angebote für neue Fronten vorliegen, das günstigste über 1.900 Euro.
Wir haben das Foto vergrößert und gesehen, dass die Scharniere noch einwandfrei waren. Nur die Montageplatten der unteren Scharniere waren im Lauf der Jahre ein paar Millimeter in der Spanplatte abgesackt. Unser Rat: Schrauben eine halbe Umdrehung lösen, Tür anheben, festziehen, und an den vier Stellen, an denen das Loch ausgeleiert war, eine Schraube 4 x 35 mm statt der originalen 4 x 16 mm eindrehen. Nach vierzig Minuten war er fertig und hat 6 Euro für eine Schachtel Schrauben bezahlt.
Zwei Scharniere waren allerdings hinüber. Die hat er durch Clip-Scharniere mit Soft-Close ersetzt, damit er die Türen beim Putzen künftig ohne Schraubendreher abnehmen kann.
Was bestellst du jetzt?
Das Einstellen kostet dich nichts. Diese Teile brauchst du, sobald Einstellen nicht mehr hilft.
- Scharnier verschlissen oder gebrochen? Wähl denselben Typ wieder: aufliegende Topfscharniere, wenn die Tür vor der Schrankwand liegt, halbaufliegende Topfscharniere bei einer gemeinsamen Mittelwand und innenliegende Topfscharniere, wenn die Tür im Rahmen liegt.
- Du weißt nicht, welchen Typ du hast? Fang bei der kompletten Übersicht der Topfscharniere an und lies zuerst unsere Erklärung zu innenliegend, halbaufliegend oder aufliegend.
- Schraubenlöcher ausgeleiert? Längere oder dickere Schrauben findest du beim Befestigungsmaterial.
- Tür geht immer wieder auf? Ein Kugelschnäpper hält sie geschlossen, ohne dass du das Scharnier anfassen musst.
- Doch gleich den ganzen Schrank überarbeiten? Neue Möbelgriffe und leichtgängige Schubladenauszüge machen sofort einen Unterschied. Wie du sie auswählst, steht in unserem Blogbeitrag über Schubladenauszüge auswählen und montieren.
Brauchst du Hilfe?
Kommst du mit Drehen nicht weiter, schick uns ein Foto vom geöffneten Scharnier und eins von der Fuge. An diesen zwei Fotos sehen wir meist innerhalb einer Minute, ob es ein Fall zum Einstellen oder zum Austauschen ist und welchen Typ du brauchst.
Häufig gestellte Fragen
Mit welcher Schraube stelle ich eine Schranktür höher?
Nicht mit einer Schraube am Scharnierarm, sondern mit den zwei Schrauben, mit denen die Montageplatte an der Schrankwand befestigt ist. Löse sie eine halbe Umdrehung, schieb die Tür nach oben und zieh sie wieder fest. Mach das an allen Scharnieren dieser Tür gleichzeitig.
Wie stelle ich eine Schranktür mit 2 Schrauben ein?
Mit den zwei Schrauben am Arm regelst du Seite und Tiefe. Die vordere Schraube schiebt die Tür nach links oder rechts, die hintere nach vorn oder hinten. Für die Höhe musst du bei diesem Typ immer an die Montageplatte.
Wie weit lässt sich eine Schranktür verstellen?
Bei einem Standard-Topfscharnier sind es etwa 2 mm nach links oder rechts, etwa 3 mm in der Tiefe und etwa 2 mm in der Höhe. Musst du weiter verstellen, liegt das Problem am Schrank oder an der Topfbohrung und nicht an der Einstellung.
Meine Schraube dreht in der Spanplatte durch, was nun?
Das Loch ist ausgeleiert. Dreh eine dickere oder längere Schraube ein, zum Beispiel 4 x 35 mm statt 4 x 16 mm. Ist das Loch richtig rund ausgerissen, füll es zuerst mit einem Holzdübel und Leim und bohr danach neu vor.
Wie viele Scharniere braucht eine Schranktür?
Bis etwa 100 cm Höhe und bei normalem Gewicht reichen zwei Scharniere. Bei höheren Türen, bei Massivholz oder bei Glas gehst du auf drei oder vier. Sackt deine Tür nach dem Einstellen immer wieder ab, ist ein zusätzliches Scharnier oft die eigentliche Lösung.
Welche Topfbohrung hat ein Topfscharnier?
Fast immer Ø 35 mm, mit der Mitte der Bohrung etwa 22,5 mm von der Türkante entfernt. Für dünne Türen und kleine Möbel gibt es eine kompakte Ausführung mit Ø 26 mm. Miss die Bohrung, bevor du bestellst, denn die beiden sind nicht austauschbar.
Kann ich Soft-Close an meinen vorhandenen Scharnieren nachrüsten?
Manchmal ja. Es gibt Aufsteckdämpfer, die du auf den Scharnierarm klickst. Passt das nicht, ersetzt du das Scharnier durch ein Clip-Modell mit integriertem Dämpfer. Die Bohrungen bleiben gleich, du musst also nichts neu bohren.
Funktioniert das auch bei einer IKEA-Schranktür?
Ja. IKEA nutzt das europäische Standardsystem mit einer Topfbohrung von Ø 35 mm, das Einstellen funktioniert also genau wie oben beschrieben. Nur die Form der Montageplatte weicht manchmal ab, vergleiche sie deshalb genau, wenn du ein Scharnier austauschst.


